Was ist die Trotzphase?

Etwa ab zwei Jahren entdecken Kinder, dass sie eine eigenständige Person mit einem eigenen Willen sind – den sie dann auch gerne durchsetzen möchten. Für Kleinkinder ist die Trotzphase also ein wichtiger Entwicklungsschritt in Richtung Selbständigkeit. Auf diesem Weg stößt dein Kind immer wieder an seine Grenzen. Es ist in diesem Moment unzufrieden mit sich selbst und das macht wütend. Dein Kind plant seinen Wutanfall nicht und ist selbst von den Gefühlen überrascht, die auf einmal in ihm hochsteigen. In diesem Moment weiß dein Kind nicht anders mit seinen Gefühlen umzugehen und muss sie einfach rausschreien.

Das kann bei Kindern einen Wutanfall in der Trotzphase auslösen:

  • Hunger, Durst, Müdigkeit

  • der Wunsch, Dinge selbst auszuprobieren (Socken anziehen, Brot schmieren etc.)

  • plötzlich aus dem Spielen gerissen zu werden

  • kein Verständnis für bestimmte Regeln und Verbote

Tipp: Dein Kind reagiert oft aggressiv oder die Wutanfälle nehmen überhand? Auf einer Extra-Seite haben wir für dich jede Menge Tipps zum Thema Kinder und Wut“ zusammengestellt.

Was lernen Kinder durch die Trotzphase?

Trotzphase bei Kindern |  Kleiner Junge kniet am Boden, hält die Füße mit Händen fest und weint

Wenn dein Kind in die Trotzphase kommt, kann das im ersten Moment überwältigend und nervenaufreibend sein. Urplötzlich wird es wütend und macht seinen Gefühlen deutlich Luft. Doch keine Sorge: Du hast bei der Erziehung nichts falsch gemacht. Jedes Kind kommt früher oder später in die Trotzphase. Und das ist wichtig, denn dabei lernt es eine ganze Menge für sein späteres Leben und entwickelt sich weiter.

Das lernt dein Kind in der Trotzphase:

  • Es ist eine eigenständige Person mit Ich-Bewusstsein

  • Es hat einen eigenen Willen und kann selbst bestimmt durchs Leben gehen

  • Es entwickelt Selbstbewusstsein und traut sich mehr

  • Es meistert das soziale Miteinander mit anderen Kindern

  • Es versteht Frust und hält ihn aus

  • Es beginnt nach dem Scheitern nochmal von vorne

Die Trotzphase hört nicht auf: Was tun?

Üblicherweise ist die Trotzphase circa ab dem sechsten Lebensjahr erledigt. Doch was tun, wenn die Trotzphase einfach nicht enden will? Glaubt man Expert:innen aus der Entwicklungspsychologie, liegt das eventuell daran, dass ein Kind seine emotionalen Fähigkeiten noch nicht ganz ausgebaut hat. Die emotionale Entwicklung umfasst drei Bereiche:

  1. Emotionen erkennen & ausdrücken: Das Kind kann einfache Emotionen wie Freude, Trauer oder Angst identifizieren und verbal und mimisch ausdrücken.

  2. Emotionen verstehen: Das Kind erkennt die Auslöser bestimmter Emotionen und deren Äußerungen und weiß, wie es darauf reagieren muss.

  3. Emotionen regulieren: Das Kind hat für sich selbst bestimmte Strategien für den Umgang mit Gefühlen entwickelt. Wenn es in einer Situation auf sich alleingestellt ist, kann es sich z. B. selbst beruhigen.

Um die emotionalen Fähigkeiten eines Kindes zu fördern, kannst du auf bestimmte Spiele zurückgreifen. Das Erkennen von Emotionen kann geübt werden, indem einem Kind z. B. bestimmte Gesichtsausdrücke auf Bildern gezeigt werden, die es benennen soll. Das Emotionsverständnis kann ein Kind einüben, indem es nicht nur Emotionsausdrücke auf Bildern erkennt, sondern auch darüber spricht, wie man sich in der abgebildeten emotionalen Situation fühlt und wie man am besten reagiert.

Trotzphase bei Kindern | Mädchen im Schneidersitz auf dem Sofa, hat die Arme verschränkt und schaut bockig, Papa sitzt dahinter

Sieben Tipps für die Trotzphase von Kindern

Du bist nicht allein! Andere Eltern haben auch bockige und trotzige Kinder, die ihnen die Nerven rauben. Vielleicht kannst du dich auch mit anderen Eltern über mögliche Lösungen unterhalten. „Es ist nur eine Phase“ ist wahrscheinlich eher ein schwacher Trost, wenn dein Kind gerade mittendrin ist. Spätestens mit vier oder fünf Jahren haben die meisten Kinder ihre Trotzphase aber überstanden und mit etwas Abstand kannst du bestimmt darüber lachen.

Hier sieben Erste-Hilfe-Tipps von uns für die Trotzphase deines Kindes:

  1. Lass dein Kind Sachen selbst ausprobieren, wenn es das möchte. Sag nicht gleich „Nein“, wenn dein Kind etwas allein ausprobieren will. Wenn dein Kind bei Regenwetter ohne Jacke rausgehen will, lass es: Es wird schnell merken, dass das keine gute Idee war und das nächste Mal von selbst eine Regenjacke anziehen. Vielleicht meistert es dann aber auch schon gleich eine neue Situation: Wenn z. B. das Schuhe-Anziehen allein klappt, hat dein Kind ein tolles Erfolgserlebnis und entwickelt Selbstbewusstsein.

  2. Erkläre deinem Kind ruhig, warum aggressives Verhalten nicht in Ordnung ist. Schlagen, Beißen und Treten sind nicht ok – mache das deinem Kind klar. Erkläre ihm ruhig, warum das so ist. Was dein Kind bei einem Wutanfall gar nicht brauchen kann, sind Schimpfen und eine Bestrafung. Eine „Wutecke“ kann in solchen Situationen Abhilfe schaffen. Richte im Kinderzimmer eine "Wutecke" ein, in der dein Kind nach Herzenslust mit Kissen raufen kann.

  3. Sage konsequent „Nein“ zu bestimmten Dingen. Setze deinem kleinen Wüterich klare Grenzen und gib Regeln vor. So gewöhnt dein Kind sich bald daran und lernt mit der Zeit, besser mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Das Wichtigste: konsequent durchziehen, auch wenn es viele Tränen und Geschrei gibt. Bewahre einen kühlen Kopf und erkläre deinem Kind die Situation, sobald es wieder aufnahmebereit ist.

  4. Mache dir selbst klar: Diese Phase geht vorbei! Rede dir selbst gut zu und mache dir immer wieder klar: Es ist nur eine Phase, die früher oder später vorbei ist. Der Gefühlsausbruch hängt nur damit zusammen, dass dein Kind neue Eindrücke noch nicht gut verarbeiten kann. Ein wichtiger Tipp: Nimm es nicht persönlich! Der Ausbruch hat selten etwas mit dir als Elternteil zu tun.

  5. Bleibe ruhig – selbst zurückschreien bringt wenig. Bewahre deine Ruhe, auch wenn es schwerfällt. Wenn du selbst wütend wirst, ist deinem Kind nicht geholfen. Zeige Verständnis für deinen Trotzkopf, auch wenn du den Auslöser für den Wutausbruch nicht gleich verstehst. Dein Kind ist wahrscheinlich mindestens genauso ahnungslos wie du. Wenn dein Kind sich langsam wieder beruhigt hat, kannst du ihm eine Alternative bieten. Lass es z. B. statt der komplizierten Schuhe lieber die Mütze anziehen.

  6. Lass dich nicht von anderen verunsichern. Es kann unter Umständen erst einmal unangenehm sein, wenn dein Kind in der Öffentlichkeit einen Wutanfall bekommt. Oft schauen die umstehenden Leute dem Spektakel still zu oder kommentieren es im schlimmsten Fall auch noch. Lass dich von so etwas nicht verunsichern. Leute, die sich einmischen, kennen dich und dein Kind nicht und können die Situation überhaupt nicht einschätzen. Sprich auch mit anderen.

  7. Bereite dein Kind auf Termine wie den Arzt oder das Einkaufen vor. Bevor ihr irgendwohin geht, bereite dein Kind darauf vor, dass es bald los geht. Dann wird es nicht unvermittelt aus dem Spielen gerissen und ein möglicher Wutausbruch bleibt aus.

Tipp: Dein Kind will einfach nicht auf dich hören? Auf einer Extra-Seite haben wir ein paar Tipps zum Thema Mein Kind hört nicht“ für dich zusammengestellt.

Bildnachweise:

Kleiner Junge kniet am Boden, hält die Füße mit Händen fest und weint © jikoman - AdobeStock

Mädchen im Schneidersitz auf dem Sofa, hat die Arme verschränkt und schaut bockig © PinkCoffee Studio - AdobeStock

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